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Boomer-Mode klingt witzig? Für mich ist es diskriminierend



Was bitte ist ein „Boomer-Mode“?

In diesem Beitrag möchte ich erklären, warum Begriffe wie ‚Boomer-Mode‘ Barrieren verschleiern – und warum aufgrund solcher Gedanken manche Spiele für viele Menschen unzugänglich bleiben.

Mein Mann wies mich heute früh auf das Spiel „Battlefield 6“ und die Diskussion darüber hin. Es geht darum, dass das neue „Battlefield 6“ von jüngeren Spielern mit Begeisterung aufgenommen wird, viele ältere Fans aber frustriert die Spielreihe verlassen, weil ihnen die Reaktionsfähigkeit fehlt.

Mich irritieren solche Artikel und Meinungen – nicht nur, weil ich eine Bezeichnung wie „Boomer-Mode“ als diskriminierend empfinde. Ich will Euch in diesem Blogbeitrag erzählen, warum das so ist.

Zunächst: Ich weiß, dass Battlefield ein MMO ist, und dass für MMO’s andere Regeln gelten als für Solospiele. Was ich speziell zu MMO’s sagen möchte, kommt in einem späteren Absatz meines Beitrags zur Sprache. Wer sich nur dafür interessiert, kann direkt zur entsprechenden Zwischenüberschrift scrollen. 😊

Spiele nur für Auserwählte?

Ich habe viel von dem Spiel „Elden Ring“ gehört und gelesen: Großartige Story, wunderschöne Landschaft, GOTY 2022. Was ich auch erfahren habe: Sehr schwieriges Kampfsystem, an dem viele scheitern.
Allein diese Nachricht brachte mich davon ab, ein Spiel, das mich sonst sehr interessiert hätte, überhaupt zu kaufen.
Begründung der Spielemacher war wohl (weiß ich nur vom „Hörensagen“ – wer es genauer weiß, kann mich gern berichtigen), dass sie das Spiel als „Herausforderung“ sehen wollen.


Dabei möchte ich Folgendes zu bedenken geben: „Herausforderung“ bedeutet nicht für jeden dasselbe. Für den einen ist es eine Herausforderung, die Treppen eines 10-stöckigen Hauses in weniger als 10 min hochzurennen; für den anderen, gefahrlos eine Straße zu überqueren.
Und ist es nicht schade für ein Spiel, wenn ihnen ein großer Teil möglicher Käufer verloren geht, weil die Entwickler nicht bereit sind, einen einfacheren Mode einzubauen?

Barrierefreiheit auch für Spiele

An einem Rollenspiel interessiert mich vor allem die Story. In diese möchte ich eintauchen wie in ein gutes Buch, einen Film oder eine Serie. Bei Büchern schreibt mir zum Glück niemand vor, in welcher Geschwindigkeit ich sie zu lesen habe oder welche Buchstabengröße ich brauche. Es gibt auch Hörbücher (leider nicht für alle Bücher), die es Menschen mit einer Seh-Beeinträchtigung oder Legasthenie ermöglichen, die spannenden Geschichten zu erfahren.

Warum sollte dasselbe nicht auch für Spiele gelten? Spiele sind Kunstwerke, die von allen genossen werden sollten, nicht nur von einer ausgewählten Menge von Menschen, die jung und gesund sind.

Für mich wäre es dasselbe wie eine Galerie oder ein Museum, das darauf besteht, keinen Fahrstuhl und keine Rampe einzubauen, weil es doch genügend junge und gesunde Menschen gibt, die solche Zugangsmöglichkeiten nicht benötigen. Und ein Zitat wie dieses aus dem ingame.de-Artikel: „Falls du auch keine Lust auf Stress hast, findest du hier eine Liste mit 15 tollen „Cozy Games“ – Spiele, bei denen du einfach mal abschalten kannst.“ Klingt für mich wie: Wenn du das Museum für antike Kunst nicht betreten kannst – das Kunstgewerbemuseum ist gleich um die Ecke, und das hat einen Fahrstuhl.

Story-Modes öffnen Türen

Die meisten Spiele spiele ich zuerst im einfachsten mir angebotenen Mode, weil mich die Story zunächst am meisten interessiert. Danach probiere ich oft auch höhere Schwierigkeitsstufen. In Baldurs Gate 3 habe ich zum Schluss sogar die höchste Stufe geschafft, bei der das Spiel als „verloren“ gilt, sobald man auch nur ein einziges Mal stirbt. Der Grund war einerseits meine Liebe zum Spiel: Es machte mir nichts aus, es auch zum zehnten Mal durchzuspielen, damit ich es aus allen Winkeln und Dialogmöglichkeiten kennenlerne. Zum anderen kam letztlich der Ehrgeiz hinzu, alle Errungenschaften zu erreichen.

Warum war das möglich? Kampfsysteme kann man lernen, man kann sich auf Routinen und Taktiken einstellen, die in jeder Situation anders funktionieren. Im Rundenmodus ist das einfacher möglich als in Echtzeitkämpfen, weswegen ich den Rundenmodus bevorzuge.

MMOs: Wenn die Community entscheidet

Meine Reaktionsfähigkeiten waren nie besonders gut. Darum habe ich schon vor 30 Jahren in MMOs lieber unterstützende Klassen wie Barde, Druide oder Kleriker gespielt. Auch dann waren viele Bosse schwer für mich, bei denen man sich schnell hin- und herbewegen oder besonderen Angriffen ausweichen musste.

Aber das war ein Lernprozess – ich musste mir die Abläufe der Kämpfe einprägen, und kannte sie mit jedem Durchgang besser.

In manchen Gilden hatte man genug Geduld mit mir, in anderen nicht. Es gab sogar den Fall, dass ein Gildenleiter auf meinen Mann zukam und ihm sagte, er könne gern in der Gilde bleiben, aber seine Frau müsse gehen.

Darauf hat sich mein Mann natürlich nicht eingelassen. Wir habe uns gemeinsam eine andere Gilde gesucht. In einigen Spielen hat mein Mann sogar eigene Gilden gegründet und geleitet; und es gab oft eine Gruppe enger Spielfreunde, die Kämpfe mit mir immer wieder geübt hatte.

Spaß und Leistung

Es gibt Spieler, die anderen einen einfachen Spielemode nicht gönnen. Vor kurzem gab es Unzufriedenheit darüber, dass die Entwickler von Expedition 33 den Story-Mode nochmals vereinfacht haben. Für mich – und sicherlich auch andere – war das eine Erleichterung. Und ich frage mich, warum es den Spieler eines schweren Modus interessieren sollte, wie leicht der Story-Mode ist.

Ich möchte das mit Sportarten vergleichen: Es gibt Leistungssport und Freizeitsport. Aber niemand verwehrt mir das Schwimmen – egal wie langsam ich bin, oder ob ich nur einen Schwimmstil beherrsche – weil es auch Weltmeisterschaften gibt.

Es gibt zu Spielen verschiedene Texte und Videos. Die einen bieten Walkthroughs an, die versteckte Schätze zeigen, bei Rätseln und Kampftaktiken helfen oder durch Labyrinthe führen. Andere zeigen besondere Leistungen – zum Beispiel, wie jemand mit einem einzigen Charakter (statt einer Gruppe), der nur 1 HP hatte, den schwersten Boss des Spiels ausschließlich per „Parry“ bewältigt hat.

Ich schaue mir beide Arten von Videos gern an – oder lese entsprechende Texte. Die einen bieten mir Hilfe, bei den anderen bewundere ich die Leistung.

Aber warum sollte man eine dieser Gruppen ausschließen?

Fazit: Spiele sind für alle da

Ob Story-Modus in Solo-RPGs oder Geduld in einer MMO-Gilde – am Ende geht es immer um dasselbe: Teilhabe. Spiele sind für alle da, nicht nur für eine kleine Elite. Wer Höchstleistungen sucht, soll sie haben. Aber es sollte niemand ausgeschlossen werden, der solche Leistungen nicht vollbringen kann.

Spielewelten sind Kunstwerke. Sie verdienen es, dass jede und jeder sie erleben kann – egal, ob mit schnellen Reflexen, taktischer Geduld oder einfach nur Freude an der Geschichte. Das ist kein „Boomer-Mode“, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein: Spiele brauchen Fahrstühle oder freundliche Hände, damit alle die Aussicht genießen können.

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